Das Backhaus der Falkenburg bei Wilgartswiesen

 

Von Walter Ehescheid

 

Im Jahre 1427 legten Graf Emich von Leiningen und Herzog Stefan von Zweibrücken ihre Anteile an der Falkenburg vertraglich fest. Offenbar war es zu Streitigkeiten gekommen. In dem Teilungsvertrag wird auf der Oberburg ein Backhaus erwähnt. Es gehört zur Zweibrücker Hälfte und liegt an dem gemeinsamen Weg vom Turm zum Brunnen zwischen Turm und Außenmauer.

Über die Ausstattung des Backhauses berichtet ein Burginventar aus dem späten 16. Jahrhundert. Darin erfahren wir, dass das Backhaus mit einem Mehlkasten, einer Müllerwirkbank und Dielen ausgestattet war. Da das Verzeichnis nur bewegliche Teile, die „Fahrhabe“ auflistet, wird der Backofen nicht erwähnt.

 

Bisher erinnerte nur eine teilweise aus dem Fels gemeißelte Grube zwischen Turmstumpf und Umfassungsmauer an die Lage des ehemaligen Backhauses. Die Grube war fast bis zum Rand verfüllt. Zweifel daran, ob hier wirklich der Grundriss eines Backhauses vorliegt, schienen berechtigt. Die Breite des Ganges zwischen Turmstumpf und Grube beträgt 2,28m. Für das beschriebene Backhaus bleiben dann noch 2,20 m zwischen dem Gang und der Außenmauer.

Die beweglichen Teile der Ausstattung sind natürlich verschwunden. Die Müllerwirkbank war wohl die Wirkbank des Bäckers. Die Dielen gehörten sicher zu Regalen, auf denen die Backwaren ausgebreitet waren, viel Platz dazu war allerdings nicht vorhanden.

 

Außer der Suche nach den noch vorhandenen Befunden interessierte auch das Alter der Außenmauer, die gleichzeitig Westseite des Backhauses war. Die Jahreszahl 1427 besagt ja nur, dass es die Mauer damals schon gab. Ihre Zerstörung darf mit dem Untergang der Burg im Jahr 1680 angenommen werden.

Die Sondage erfolgte mit staatlicher Genehmigung und wurde von Walter Ehescheid, Jochen Braselmann und Peter Dienes durchgeführt.

Die erste Überraschung barg die bewachsene Lehmanhäufung in der Südecke der Felsgrube. Sie ist ein Teil der eingebrochenen Kuppel des Backofens. Erkennbar ist noch die Lage der Bodenplatte. Die Kuppel bestand neben Lehm aus Bruchsteinen, Mörtelbrocken und Ziegelstücken. Der Ofen befand sich teilweise auf der Felsoberfläche, teils in der Grube hinter einer Trennmauer. Brandverfärbungen auf der Felsoberfläche verraten die ungefähre Größe. Den Raum vor dem Ofen benötigte der Bäcker für die Beschickung desselben mit Holz und Backwaren. Dass die Backstube zumindest teilweise gemauert war, belegen eine Türschwelle und das Fundament eines steinernen Türpfostens. Die ausgemeißelte Grube ist ein verschobenes Rechteck mit den mittleren Maßen 2,65 x 2,20m.

Sie ist an der dem Turm zugewandten Seite 30 cm eingetieft und fällt zur Umfassungsmauer hin schräg ab. So konnte Wasser leicht durch eine vorhandene Ausflussöffnung ablaufen. Es ist aber schwer, sich diese schräge Bodenfläche als ursprüngliches Arbeitsniveau vorzustellen.

Ein Wasservorrat befand sich in dem aus dem Fels gemeißelten Becken schräg gegenüber.

Die 60cm breite Außenmauer dürfte zeitgleich mit der spätmittelalterlichen Erstnennung des Backhauses sein. Sie kann keinesfalls der Stauferzeit zugesprochen werden. Ein Pfostenloch im Randbereich der Bodenfläche der Bäckerei spricht für einen Vorgängerbau oder einer Balustrade.

 

Die Sondage am spätmittelalterliche Backhaus lässt drei Bauphasen erkennen.

 

1.    Eine Holzbalustrade am westlichen Felsrand

2.    Eine ausgemeißelte Grube unbekannter Verwendungsart

3.    Die Einrichtung des Backhauses nach dem Einbau einer Trennmauer, da die ehemalige            Grube als zu groß empfunden wurde.

 

Die gesamte Außenmauer im westlichen Hofbereich ist in spätmittelalterlicher Technik ausgeführt. Pfostenlöcher weisen auf ältere Bauspuren. Balkenlager führen unter die Mauerfundamente. Sie lassen sich relativchronologisch nur der Zeit vor dem späten Mittelalter zuordnen.

 

Die Funde im Humus und einer Verfüllschicht enthalten einseitig glasierte Keramikscherben aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Bisher entsteht der Eindruck, dass der heutige Hofbereich vor einem spätmittelalterlichen Umbau gründlich gesäubert wurde. Nur so ist das Fehlen älterer Keramik erklärbar. Alle „Abfälle“ konnten über die Felsoberfläche leicht entsorgt werden. Die Ergebnisse an Backhaus und dem nördlich anschließenden Hofbereich zeigen, dass die Falkenburg erhebliche Veränderungen erlebte. Was an ihr noch nachweislich staufisch ist, sind die wenigen Buckelquader auf dem Turmstumpf und die Fundamentreste am nordwestlichen Ende des Burgfelsens.

 

 

Literatur und Anmerkung:

Rolf Übel: Falkenburg und Wiligartaburg,

Landau in der Pfalz 2000.

Gespräche mit Dieter Barz, Alzey.

 

 

Abb. 1 Das ehemalige Backhaus, Grabungsbefund

Abb. 2 Balkenlager einer älteren Bauphase der westlichen Außenmauer.